Der FC Walsede II hat sich im letzten Heimspiel der Saison die Meisterschaft in der 3. Kreisklasse Süd gesichert. Gegen den Tabellenletzten SG Reeßum/Taaken II gewannen die Rot-Schwarzen mit 5:4, mussten dabei aber einen beinahe unglaublichen Rückfall von 4:0 auf 4:4 überstehen. Torben Helmerichs, Nils Luttmann, Benjamin Gebers, Jesper Ole Korte und Jan Bietke trafen für den neuen Meister.

Meisterschaft aus eigener Kraft möglich

Die Ausgangslage vor dem letzten Heimspiel der Saison war klar: Mit einem Sieg konnte der FCW II die Meisterschaft aus eigener Kraft perfekt machen. Der Gegner, die SG Reeßum/Taaken II als Tabellenletzter, klang auf dem Papier nach einer machbaren Aufgabe — durfte aber auf keinen Fall unterschätzt werden, wie sich im späteren Spielverlauf noch zeigen sollte.

Die Personaldecke war allerdings erneut dünn: Schlüsselspieler John Boros und Dennis Hübner standen zwar im Kader, waren aber stark angeschlagen und eher für den psychologischen Effekt und das gute Gefühl als für einen echten Einsatz auf der Bank dabei. Auch darüber hinaus boten sich kaum Alternativen auf der Ersatzbank. Cheftrainer Bernd Böhling konnte terminlich bedingt nicht anwesend sein, die Co-Trainer John Boros und Lutz Korte stellten die Mannschaft auf das Spiel ein. Jesper Ole Korte, der aus dem Kader der 1. Herren wiederholt für den FCW II aushalf, besetzte die Sechser-Position.

Vier Treffer vor der Pause

Walsede startete hochmotiviert und konzentriert in die Partie. Bereits in der 12. Minute brachte Torben Helmerichs den FCW in Führung — das Team unter dem Berge war von Beginn an gut im Spiel. Die Gäste versuchten es vorwiegend mit langen Bällen, die von der stabilen Walseder Abwehr aber zuverlässig abgefangen wurden. Vor dem Walseder Tor kam selten Gefahr auf.

In der 20. Minute baute Nils Luttmann die Führung nach einem sehenswerten Solo mit sicherem Abschluss und guter Übersicht zum 2:0 aus. Zehn Minuten später belohnte sich Benjamin Gebers für eine starke Leistung mit dem 3:0. In der Zwischenzeit musste Innenverteidiger Kolja Emde, nach einer vorherigen Verletzung noch nicht vollständig wiederhergestellt, angeschlagen ausgewechselt werden. Christopher Nitz rückte dafür in die Innenverteidigung nach und entschärfte zusammen mit Florian Böhling die wenigen Angriffe der Gäste zuverlässig. Die verloren gegangene Geschwindigkeit wurde durch Entschlossenheit und Zweikampfstärke in gleichem Maße wettgemacht.

Jesper Ole Korte im Spiel gegen Reeßum/Taaken II
Jesper Ole Korte erzielte bei seinem Einsatz für die 2. Herren das Tor zum 4:0. Foto: FC Walsede

Kurz vor der Pause setzte Jesper Ole Korte den Schlusspunkt einer dominanten ersten Halbzeit: Der junge Mittelfeldspieler behielt im Strafraum die Übersicht und schlenzte den Ball mit viel Ruhe unten links souverän am Keeper vorbei, genau am Innenpfosten vorbei ins Tor zum 4:0 (43.). Mit einem beruhigenden Polster und reichlich Siegesgewissheit ging es in die Kabine.

Dort mahnte Co-Trainer Lutz Korte trotz der komfortablen Führung zur Vorsicht: Die Mannschaft solle das Spiel nicht wie in vorherigen Partien aus der Hand geben und den Fokus behalten, gleichzeitig aber unnötige Laufwege vermeiden, um angesichts der fehlenden Alternativen auf der Bank mit den Kräften hauszuhalten.

Kalte Dusche nach Wiederanpfiff

Gleich nach dem Seitenwechsel kam der erste Schock für Rot-Schwarz: In der 47. Minute verwandelte Holstein einen Strafstoß nach einer ungestümen Abwehraktion zum 1:4 aus Sicht der Gäste. Nur wenige Minuten später führte der Abpraller eines missglückten Freistoßes durch einen Konter zum 2:4 durch Falat (50'). So langsam machte sich Anspannung in den Reihen der Walseder breit, die Dominanz der ersten Halbzeit ging zusehends verloren.

In der 60. Minute fiel durch einen weiteren Konter, begünstigt durch einen Abstimmungsfehler in der Walseder Abwehr, das 3:4 — erneut durch Falat. Die Nervosität brach sich nun auf dem Feld, auf der Bank und beim Trainerteam mit aller Macht Bahn.

4:4 — Meistertraum wankt

Als Falat mit seinem dritten Treffer des Tages per Distanzschuss zum 4:4 ausglich (71'), erreichte die Stimmung auf dem Berg ihren Tiefpunkt. Die Zuschauer konnten nicht fassen, wie eine derart komfortable Halbzeitführung aus der Hand gegeben werden konnte. Dem Trainerteam und den Auswechselspielern auf der Bank ging es nicht anders, den Spielern auf dem Feld augenscheinlich ebenso. Der Traum von der vorzeitigen Meisterschaft im letzten Heimspiel der Saison vor den eigenen Fans auf dem Berg schien zu zerplatzen.

„Ich hätte mir das Ganze nach hinten raus vielleicht etwas weniger spannend und nervenaufreibend gewünscht, aber das Happy End kam dann ja zum Glück noch rechtzeitig."

— Lutz Korte, Co-Trainer FC Walsede II

Boros bringt den Impuls

Um zu versuchen, das Ruder noch herumzureißen, wurde der angeschlagene und eigentlich nicht spielbereite John Boros eingewechselt — in der Hoffnung, einen letzten Impuls setzen zu können. Zwischenzeitlich war auch Cheftrainer Bernd Böhling am Sportplatz eingetroffen, um die letzten Minuten des Spiels vor Ort mitzuerleben. Angesichts des Halbzeitergebnisses dürfte er sich den Spielverlauf wohl anders vorgestellt haben.

Die Einwechslung von Boros zeigte Wirkung: Der FCW konnte sich wieder stärker in der gegnerischen Hälfte festsetzen und kam zu einigen aussichtsreichen Torchancen, die jedoch allesamt vergeben wurden. Auf der Gegenseite war Reeßum/Taaken weiterhin bemüht, den Walsedern den endgültigen Todesstoß zu versetzen und den Tag vollends zu verderben. Fans und Spieler bangten gleichermaßen und hofften auf den Lucky Punch.

Oliver Cordes im Tor des FC Walsede II
Oliver Cordes im Tor des FC Walsede II. Foto: FC Walsede

Bietke erlöst den FCW

In der 73. Minute erkämpfte sich Boros den Ball und lief mehr oder weniger allein auf das Tor und den gegnerischen Torwart zu. Alles rechnete mit dem Abschluss — sogar aus den Reihen der bereits angereisten Gäste aus Bremervörde, die auf ihr nachfolgendes Spiel gegen die 1. Herren warteten, ertönte ein ermutigendes „Schieß!". Stattdessen legte Boros uneigennützig quer auf den mitgelaufenen Jan Bietke, der zum erlösenden 5:4 einschob.

Jetzt galt es nur noch, die verbleibenden Spielminuten ohne ein weiteres Gegentor zu überstehen und Sieg und Meisterschaft über die Zeit zu bringen. Nach aus Walseder Sicht glücklicherweise nur kurzer Nachspielzeit erlöste der Schiedsrichter Heimmannschaft und Fans mit dem Schlusspfiff.

Feier auf dem Berg

Danach hing der Walseder Himmel voller Glückseligkeit und Bierfontänen: Die Mannschaft ließ sich von den Zuschauern auf dem Berg feiern, das Trainerteam wurde mit der obligatorischen Bierdusche bedacht. Beim anschließenden Siegerfoto sorgte Trainer Böhling dann seinerseits durch großzügiges Verteilen des hopfenhaltigen Inhalts eines Stiefels dafür, dass auch der Großteil der Mannschaft an diesem Tag nicht nur wegen der Anstrengung auf dem Feld duschen gehen musste.

Die Mannschaft des FC Walsede II feiert die Meisterschaft mit einer Bierdusche
Meister! Die 2. Herren des FC Walsede feiern den Titelgewinn auf dem Berg. Foto: FC Walsede
Spielergebnis
FC Walsede II
5 : 4
SG Reeßum/Taaken II
Tore: 1:0 Helmerichs (12'), 2:0 N. Luttmann (20'), 3:0 Gebers (30'), 4:0 J. O. Korte (43') — 4:1 Holstein (47', FE), 4:2 Falat (50'), 4:3 Falat (60'), 4:4 Falat (71'), 5:4 Bietke (73')
Spielort: Kirchwalsede

Aufstellung FC Walsede II: Cordes — Brauns, N. Luttmann, Kurpiela, Bietke, Helmerichs, F. Böhling, Gebers, Röndigs, Emde, J. O. Korte (Ersatzbank: Hübner, Nitz, Vargiu, L. Korte, P. Henke, Boros, J.-C. Henke)