Der FC Walsede von 1999 e. V. ist das Ergebnis einer Fusion, die fast ein Jahrzehnt brauchte — und beinahe an den Fußballern selbst gescheitert wäre. Die Geschichte einer Vereinsgründung zwischen Rivalität, Kompromiss und neutralem Boden.
Erste Annäherung
Bereits Anfang der 90er-Jahre kam es seitens der Vorstände des TuS Kirchwalsede und des SV Westerwalsede zu der Überlegung, eine gemeinsame Fußballsparte zu gründen. Der Gedanke musste zu dieser Zeit aber noch wieder verworfen werden, da die Rivalität zwischen den Fußballmannschaften zu diesem Zeitpunkt noch ein unüberwindbares Hindernis darstellte.
So wurde vorerst von beiden Vorständen beschlossen, sich intensiver auszutauschen, mit dem Ziel, die Rivalität zwischen den Fußballmannschaften nach und nach abzubauen.
Der gescheiterte Versuch von 1994
1994 wurde seitens der beiden Vorstände ein erster Versuch unternommen, die Fußballsparten des TuS Kirchwalsede und des SV Westerwalsede zusammenzuführen.
Die Fußballer des TuS Kirchwalsede waren zu einer Fusion bereit. Die Fußballer des SV Westerwalsede konnten sich zu diesem Zeitpunkt eine komplette Fusion beider Fußballmannschaften nicht vorstellen und schlugen vor, vorerst im Altherrenbereich zu fusionieren. Ein solcher Zusammenschluss wurde aber von den Fußballern des TuS Kirchwalsede verneint, da eine neu gegründete Altherrenmannschaft zur Folge gehabt hätte, dass diese wieder in der 2. Kreisklasse hätte starten müssen. Was für die Altherrenmannschaft des TuS einen Zwangsabstieg bedeutet hätte. Der SV Westerwalsede verfügte zu diesem Zeitpunkt lediglich über ein paar wenige Spieler im Altherrenalter.
Am Ende kam es zu keiner Einigung. In den nächsten Jahren sollte dann erstmal nichts mehr passieren.
Neuer Anlauf 1998
Neu aufgenommen wurde das Thema einer Fusion dann wieder im Jahre 1998. Am 09.07.1998 wurde der Vorschlag einer Fusion der Fußballmannschaften zwischen dem TuS Kirchwalsede und dem SV Westerwalsede auf der Jahreshauptversammlung des TuS Kirchwalsede den Mitgliedern unterbreitet und zur Abstimmung gebracht. Die auf der JHV anwesenden 36 Mitglieder des TuS Kirchwalsede sprachen sich einstimmig für eine Fusion aus.
Es folgten Sondierungsgespräche zwischen den Vorständen beider Vereine, die dazu führten, dass der SV Westerwalsede auf seiner Jahreshauptversammlung am 19.02.1999 den Vorschlag einer Fusion ebenfalls seinen Mitgliedern unterbreitete und zur Abstimmung brachte. Die anwesenden Mitglieder entschieden sich mit 32:25 Stimmen für eine Fusion.
Widerstand aus den eigenen Reihen
Die 25 Gegenstimmen kamen ausschließlich aus den Reihen der damaligen aktiven Fußballer des SV Westerwalsede. Diese wollten eine Fusion nach wie vor verhindern. Spieler der 1. Herrenmannschaft des SV Westerwalsede stellten nach der Versammlung Überlegungen an, den Verein zu verlassen und fortan für Dauelsen zu spielen.
Um ein solches Szenario zu verhindern, aber trotzdem die Fusion nicht scheitern zu lassen, kam es in den nächsten Wochen zwischen dem Vorstand des SV Westerwalsede und seinen aktiven Fußballern zu mehreren Verhandlungen mit dem Ziel, einen Kompromiss zu finden, welcher den Weggang der Fußballer verhindern und die Umsetzung der Fusion beinhalten sollte.
Der Kompromiss
Heraus kam die Lösung, zu einem Fusionsvertrag noch einen von beiden Vorständen zu unterzeichnenden Anhang zu fertigen. Ein solcher Anhang zum Fusionsvertrag wurde von beiden Vorständen erstellt und am 29.05.1999 unterzeichnet.
In diesem Anhang wurde auf Wunsch der Fußballer des SV Westerwalsede klar herausgestellt, dass die 1. Herrenmannschaften im ersten Spieljahr nach der Fusion (1999/2000) unantastbar bleiben. Eine strikte Trennung beider 1. Herrenmannschaften musste im Anhang niedergeschrieben werden. Nur unter diesen Umständen konnte eine Fusion beider Vereine letztlich am 06.06.1999 zustande kommen.
Unterzeichnung auf neutralem Boden
Wie groß die Rivalität zwischen den Fußballern beider Vereine zu diesem Zeitpunkt immer noch war, ergibt sich aus der Tatsache, dass ein Fusionsvertrag unbedingt auf neutralem Boden unterzeichnet werden musste.
So kam es am 06.06.1999 um 10:30 Uhr zur Unterzeichnung des Fusionsvertrages im Schützenhaus Süderwalsede. Der FC Walsede war geboren — oder auch nicht, da die Fußballmannschaften erst ab der Saison 2000/2001 richtig fusionierten.
Das Kuriosum der ersten Saison
Dieser Umstand führte in der ersten Saison 1999/2000 zu dem Kuriosum, dass die 2. Herrenmannschaft (damals die 1. Herren des SV Westerwalsede) von der 2. Kreisklasse Süd in die 1. Kreisklasse Süd aufstieg und zeitgleich die 1. Herrenmannschaft (damals die 1. Herren des TuS Kirchwalsede) von der 1. Kreisklasse Süd in die 2. Kreisklasse Süd abstieg.
Was aus dem FC Walsede wurde
Wie wichtig es aber damals war, Kompromisse zu finden und die Fusion auch gegen einzelne Widerstände durchzusetzen, ergibt sich aus der Geschichte.
Aus dem FC Walsede ist mittlerweile ein in allen Belangen gut funktionierender Fußballverein geworden, der seit seiner Gründung diverse Erfolgsgeschichten geschrieben hat und heute zu einer Selbstverständlichkeit im „Walseder Raum" geworden ist.
Die Geschichte im Einzelnen, mit allen Daten und Fakten zu jeder Saison und zu jeder Mannschaft, wird aufgearbeitet und in dieser Rubrik nach und nach wiederzufinden sein.